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Patricia Ehbauer

„Wenn du dein eigener Chef bist, kannst du die Zukunft deines Unternehmens in die eigenen Hände nehmen“ – von diesen Gedanken angetrieben, stieg Patricia Ehbauer, Geschäftsführerin von Merz Reisen in der Oberpfalz, mit 23 Jahren in den Familienbetrieb ein. Eigentlich wollte sie ja bei der Lufthansa in der Marketingabteilung anfangen. Eine Zusage hatte die damalige Studentin der Betriebswirtschaftslehre Touristik bereits erhalten. Sie freute sich auf München. Eine Wohnung hatte sie auch schon organisiert. Alles lief in ihrem Sinne, bis ihre Mutter schwer erkrankte und sie vor der Wahl stand: Familienbetrieb oder Konzern?

Das Unternehmen führten damals die Geschwister Michael Merz sen. und Gisela Ehbauer, Mutter von Patricia Ehbauer, in zweiter Generation. Alles rund um das Thema Technik lag im Verantwortungsbereich von Michael Merz sen. und um das Kaufmännische kümmerte sich Gisela Ehbauer. Patricia Ehbauer absolvierte zunächst einmal ein Praktikum im Busbetrieb ihrer Familie. Dann aber kam der entscheidende Moment: Ihre Mutter fragte sie, ob sie sich nicht vorstellen könnte, im Unternehmen zu bleiben und das Geschäft zu übernehmen. „Obwohl ich sonst immer ziemlich schnell alles aus dem Bauch heraus entscheide, musste ich bei dieser Entscheidung dann doch eine Nacht darüber schlafen“, erinnert sich Patricia Ehbauer. „Das war die Entscheidung meines Lebens und erforderte reifliche Überlegung“, sagt sie rückblickend. Sie entschied sich dann doch für den Verbleib im Busbetrieb.

Heute ist Patricia Ehbauer alleinige Gesellschafterin und führt das Unternehmen seit 2014 komplett eigenständig. Merz Reisen schaut auf eine fast 90-jährige Geschichte zurück. Ihre Oma hat das Unternehmen 1929 gegründet. Am Anfang war es angedacht, dass Patricia Ehbauer das traditionsreiche Busunternehmen gemeinsam mit ihrem Cousin Michael Merz jun. führt. So kam es dann auch, bis sich Michael Merz jun. 2012 aus der Geschäftsführung zurückzog und Patricia Ehbauer ihm seine Firmenanteile abkaufte. Seitdem könne sie freier und flexibler agieren, sagt sie erleichtert.

„Die Bustouristik hat sich in den letzten 20 Jahren sehr verändert und ist anspruchsvoller geworden“, erklärt sie. Früher sei das Geschäft „hemdsärmeliger“ gewesen. „Die Bedürfnisse der Gäste haben sich sehr stark verändert“, stellt sie fest“. Heute würden die Gäste mit ihren Laptops oder Smartphones im Bus sitzen und wehe, wenn der Reiseleiter eine falsche Jahreszahl nennt, dann sei das Geschrei groß, beschreibt sie exemplarisch. „Die Ansprüche sind gestiegen, es ist alles wesentlich professioneller geworden.“ Man müsse heutzutage die Reisegäste über alle möglichen Änderungen vor Reisebeginn in Kenntnis setzen. Dadurch sei auch der Aufwand, eine Reise zu organisieren, wesentlich größer geworden. „Früher war das nicht so“, sagt sie leicht wehmütig.

„Heute wollen die Reisenden alles exakt so haben, wie es im Katalog steht. Abweichungen werden nicht toleriert.“ Durch die Digitalisierung sei alles viel transparenter geworden. „Die Kunden sind über alles informiert“, sagt sie und betont: „Sie informieren sich vor Reisebeginn über das Reiseziel – zum Teil bis ins kleinste Detail.“ Und wenn sich dann eine Kleinigkeit im Reiseablauf ändere, werfe dies den ganzen Reiseplan der Reisegäste durcheinander. „Unsere Klientel ist sehr fit im Umgang mit Neuen Medien und ist dadurch bestens informiert.“ Merz Reisen stellt attraktive Programme zusammen, mit denen das Unternehmen überwiegend die mittlere Altersklasse anspricht. „Diese ist sehr fit und extrem reiseerfahren“, verdeutlicht Patricia Ehbauer. Also müssen anspruchsvollere Programme her.

Und wie? Merz Reisen hat als Antwort auf die sich verändernden Bedürfnisse seiner Kunden beispielsweise mit „MyCity“ reagiert, einem innovativen Städtereisen-Programm, bei dem die Reiseteilnehmer die Möglichkeit haben, sich von der Gruppe loszuseilen und die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Mit MyCity will man auch ein jüngeres Publikum ansprechen. „Wir packen die Programme nicht mehr so voll, sondern lassen den Reisenden ausreichend Freizeit. Wir lassen es den Leuten frei, ob sie auf eigene Faust losziehen oder mit uns Programm machen wollen“, erläutert die Geschäftsführerin. Wenn zum Beispiel eine Großstadt angefahren wird, hat ein Teil der Gruppe Freizeit, ein anderer Teil besucht eine Ausstellung oder die Oper. „Individualität ist ganz stark gefragt“, untermauert Ehbauer. Was die Organisation und die Koordinierung angeht, so seien solche Reisen eine Herausforderung. „Es ist anstrengend für den Fahrer und den Reiseleiter, das muss man dazu sagen. Denn sie müssen den Überblick behalten, und wissen, wer was wann gebucht hat.

Und wie wird MyCity angenommen? „Das ist eine neue Chance für Städtereisen, um dieses Reisesegment überhaupt noch realisieren zu können“, erklärt Ehbauer. „Wir haben durch den Fernbus eine extreme Konkurrenzsituation bei den Städtedestinationen“, gibt sie zu bedenken. Vor 15 Jahren sei es Air Berlin gewesen, die das Städtereisengeschäft kaputt gemacht habe und heute müsse die Bustouristik sich gegen den Fernbus behaupten.

„Für uns als Busreiseveranstalter ist es wichtig, uns als Marke auf dem Markt zu behaupten, verdeutlicht sie. „Ich bin umzingelt von Low-Budget-Anbietern, die alles über den Preis machen. Der Kampf nach unten ist verloren, unsere Firma hat nach wie vor familiäre Strukturen, wir sind ein reiner Setra-Betrieb und die Fahrer werden übertariflich bezahlt. Also, ich kann nur nach oben gewinnen. Konkret: Ich muss auf der Qualitätsschiene weiterarbeiten. Wenn wir weiterhin bestehen wollen, muss sich die eigene Strategie komplett von der der Konkurrenz abheben. Qualität ist bei uns die oberste Maxime“, unterstreicht Patricia Ehbauer. Askin Bulut

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