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Hartmut Schick, Head of Daimler BusesZur Sache, Herr Schick!

Hartmut Schick (54) ist seit Januar 2009 Head of Daimler Buses und Vorsitzender der Geschäftsführung der Daimler-Tochter Evobus. Hartmut Schickt stammt aus Oberiflingen in Baden-Württemberg. Er studierte Maschinenbau in Karlsruhe und schloss sein Studium als Diplom-Ingenieur ab. Seit 1986 ist er für Daimler tätig, war u.a. Hauptgruppenleiter Montage in der Produktion der Mittelklasse im Pkw-Werk in Sindelfingen.

1997 wurde Hartmut Schick mit dem Aufbau des Mercedes-Benz Werkes in Juiz de Fora/Brasilien als Leiter Produktion und Logistik beauftragt. Von 2002 bis zu seinem Wechsel an die Spitze des Busgeschäfts leitete er die weltweite Kommunikation von Daimler-Chrysler, später des Daimler-Konzerns. Hartmut Schick ist verheiratet und hat zwei Kinder. Bus Blickpunkt interviewte ihn am Rande der diesjährigen Messe „Busworld“ im Oktober im belgischen Kortrijk.

Herr Schick, wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut.

Und dem Busgeschäft von Daimler Buses?

Mindestens genauso gut. Wir haben gute Produkte auf dem Markt und das Tolle ist, dass die Kunden die Produkte auch kaufen. Daimler Buses hat in Deutschland einen Marktanteil von 50 Prozent und in Europa von 33 Prozent.

Sie haben ja ein paar straffe Jahre hinter sich. 2012 verordnete der Konzern der Bussparte das harte Sparprogramm namens „Globe 2013“.  Bei wie viel Prozent lag die Rendite seinerzeit?

Die Rendite lag deutlich im negativen Bereich. Wir hatten ein Minus von über 200 Millionen Euro. 2013 erreichten wird dann schon wieder drei Prozent Rendite.

Vom Konzernziel sechs Prozent Rendite war das noch ein gutes Stück entfernt. Wo steht Daimler Buses heute?

Nach neun Monaten 2015 lagen wir bei sechs Prozent. Ich denke, das ist bei dieser Kennziffer die Poleposition unter den Busherstellern.

Wie wird Daimler Buses das Jahr 2015 abschließen?

Ich rechne mit einem deutlichen Absatzrückgang  gegenüber 2014. Dieser Rückgang ist fast ausschließlich dem Kaufrückgang auf dem lateinamerikanischen Markt geschuldet. Auf der Umsatzseite wird sich das nicht so stark bemerkbar machen, weil in Lateinamerika vor allem Chassis verkauft werden, die natürlich einen wesentlich niedrigeren Preis haben als Komplettbusse. Der absolute Gewinn wird 2015 aber leicht unter dem Vorjahreswert  liegen.

Was haben Sie gedacht, als sie vom VW-Abgasskandal hörten?

Ehrlich gesagt, ich habe mir nicht viele Gedanken gemacht. Weil ich wusste, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Und wie sieht der aus?

Im Zusammenhang mit der Zulassung neuer Busmodelle führen wir Prüfstandtests sowie Tests auf der Straße durch. Wenn der Bus dann 18 Monate auf den Straßen unterwegs war, wird wieder gemessen. Der Bus geht mit mobilen Messgeräten auf Testfahrt. Diese Messungen werden dann alle zwei Jahre wiederholt, bis fünf Jahre nach Serienauslauf eines Modells. Ab 2017 werden wir in allen Bussen, also nicht nur in Testbussen, sogenannte On-Board-Units einsetzen. Fest installierte Geräte, die im realen Betrieb ständig die Abgaswerte messen. Wenn das Gerät anzeigt, dass die Abgaswerte nicht eingehalten werden, dann bekommt der Busfahrer einen Warnhinweis im Instrument. Erfolgt keine Reaktion auf den Fehlerhinweis, wird in der nächsten Stufe die Leistung begrenzt bzw. wird die Geschwindigkeit auf 20 km/h gedrosselt. Der  Eingriff in die Antriebsperformance geschieht  je nach Fehler sofort ( z. B. kein AdBlue vorhanden) oder zeitlich gestaffelt.

Ihr Eindruck von der Messe „Busworld“ 2015 in Kortrijk?

Kortrijk bündelt die Kompetenz des weltweiten Busgeschäfts wie ein Brennglas die Lichtstrahlen. Mexikaner sind  hier, Kunden aus der Türkei, Kunden aus Lateinamerika, Russland, Indien und deutsche Verkehrsbetriebe. Für mich ist Kortrijk die wichtigste Plattform im Busgeschäft.

Daimler Buses will nicht nur Bushersteller sein, sondern auch Mobilitätsdienstleister sein. Worauf zielt das?

Es zielt darauf, die Gesamtbetriebskosten, die Total Cost of Ownership, zu verringern. Für Busbetreiber werden die Folgekosten der Fahrzeuge immer wichtiger. Es geht um weniger Wartung, weniger Kraftstoffverbrauch. Über Telematik-Systeme in Bussen können wir zum Beispiel Daten abrufen, die sagen, wann die Bremsen gewechselt werden müssen. Der Werkstatttermin kann geplant werden und so verkürzen sich die Standzeiten der Fahrzeuge.

Dennoch: Umweltfreundlichkeit kostet Geld. Preise für Hybridbusse, Batterien und Elektrobusse sind im Verhältnis gesehen höher als die Preise für normale Dieselbusse. Welche Perspektiven sieht Daimler Buses?

Wir wollen bis 2020 einen Elektrobus auf den Markt bringen, der sich auch bei den Lebenszyklus-Kosten auf dem Niveau bisheriger Busse bewegt.

Stichwort Sicherheit: Für die teuren Produkte von Mercedes-Benz und Setra gibt es die volle ABA3-Sicherheit – automatische Bremsung auch bei stehenden Hindernissen. Für die günstigeren Modelle wie den Tourismo nur den Notbremsassistent. Ist Sicherheit eine Geldfrage?

Es ist keine Geldfrage, sondern die Frage ist, ob die Plattform von der Elektronik her zu den neuen Sicherheitsfeatures passt. In ein Busmodell, das bereits zehn Jahre läuft, kann man nicht so einfach die neuesten Bremssysteme integrieren.

Zwei Zahlen: 1970 gab es auf Deutschlands Straßen insgesamt 28.000 Verkehrstote (inklusive DDR), heute im vereinten Deutschland liegt die Zahl pro Jahr unter 3.500. Was geht noch?

Eine ganze Menge. Es wird Kameras rund um die Fahrzeuge geben, die gemeinsam mit den bereits vorhandenen Sensoren z. B. den toten Winkel eliminieren und in punkto Vorausschau auch die aktiven Sicherheitssystem wie Bremsassistent und Spurhalteassistent noch besser unterstützen.

In Deutschland laufen 500 Fernbusse von Mercedes-Benz und Setra. Das ist über die Hälfte des Marktes. In welcher Form ist Daimler Buses an Mein Fernbus/Flixbus beteiligt?

Daimler Buses ist überhaupt nicht beteiligt. Die Daimler Tochter Moovel GmbH ist mit einem Minderheitsanteil an der Flixbus GmbH beteiligt. Sie reagiert damit auf den Trend zur Mobilität ohne eigenes Auto und will hier innovative Mobilitätsdienstleistungen voranbringen.

Sind Sie schon einmal als Reisegast mit dem Fernbus gefahren?

Ja, einmal von München nach Stuttgart.

Ihr Eindruck?

Es war eine sehr relaxte Atmosphäre. Viele haben gelesen, andere waren im Netz unterwegs. Es war sehr ruhig. Ich kam entspannt ans Ziel.

Macht es Spaß, Daimler Buses zu führen? Wie sieht ihre persönliche Lebensplanung aus?

Es ist schön und es erfüllt mich, mit Kunden zusammenzuarbeiten, ihre Wünsche zu kennen und sie zu erfüllen. Was meine persönliche Planung anbetrifft: Ich habe einen Vertrag bis 2018 und werde weiter mit Begeisterung mit dem weltweiten Busteam arbeiten.


(Das Gespräch führte: Jürgen Weidlich)

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